Oliver Bierhoff, der Erfolgsfan

Mir fehlt jegliches Verständnis dafür, dass die deutsche Bundesregierung derzeit den Eindruck zulässt über evtl. neue Steuern mit den Betroffenen vor der Einführung zu verhandeln.

Mir fehlt jegliches Verständnis dafür wenn die deutsche Bundesregierung es vier der größten deutschen Konzerne erlauben sollte, sich mit einer Pauschalzahlung vor einer neuen Steuerpflicht zu drücken.

Wofür ich Verständnis habe: Dass Lobbyisten versuchen, die Öffentlichkeit als Druckmittel für ihr Anliegen zu nutzen. Das machen alle: Gewerkschaften, Umweltschützer, Studenten, Ärzte und und und.

Diese Öffentlichkeit wollen die vier großen Energiekonzerne in Deutschland nun herstellen. Mit einem öffentlichen Appell, abgedruckt in verschiedenen deutschen Zeitungen und unterzeichnet von 40 mehr oder minder bekannten „Großkopferten“.

In dieser Liste findet sich auch Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Kein Wunder, immerhin engagiert sich sein Arbeitgeber, der Deutsche Fußballbund (DFB), aktiv dafür dass die eigenen Mitglieder und vor allem Vereine ihr Umweltbewusstsein steigern.

Zurecht, denn:

Würde man die deutschen Sportstätten alle mit moderner Technik ausrüsten und umfassend sanieren, ließen sich umgerechnet 20 Milliarden Kilowattstunden Strom einsparen – das ist mehr, als Berlin und Köln zusammen im Jahr verbrauchen. Außerdem würden über sechs Millionen Tonnen Klimagase vermieden und die öffentlichen Haushalte könnten jährlich über 30 Millionen Euro an Betriebskosten und Zuschüsse an ihre Vereine sparen.

(Quelle)

Nun hat Oliver Bierhoff hoffentlich nicht gelesen, was er da unterschrieben hat. Denn der Appell enthält einige doch sehr erstaunliche Passagen. Vor allem zwei davon, haben es mir „angetan“.

1. Die Unterstützer sprechen von einer „weiter steigenden Ökosteuer“. Ups, das war mir ganz entgangen, wirklich? In der „Zeit“ liest sich das dann so, dass Finanzminister Schäuble Subventionen abbauen und Ausnahmeregelungen streichen möchte.

2. Der Appell schließt mit einem eindrucksvollen Absatz: von „vorzeitigem Ausstieg“ ist da die Rede. Hat die Bundesregierung nicht gerade die Debatte darüber angefangen, wie lange man jetzt doch zusätzlich alte Kraftwerke am Netz lassen kann? Und kommt eine Brennelementesteuer o.Ä. nicht eben nur wenn die Laufzeit für Atomkraftwerke auch verlängert wird? Also: Unfug.

Es ist keineswegs verwunderlich, dass praktisch der komplette BDI-Vorstand und die Chefs großer Konzerne diese Appell unterschrieben haben. Eher bin ich darüber erstaunt, nicht den unerträglich-erwartbaren Namen „Hans-Olaf Henkel“ unter diesem Pamphlet lesen zu müssen.

Aber, lieber Oliver Bierhoff: Sie sind leitender Angesteller eines Sportverbandes und kein Wirtschaftslobbyist. Und: Dieser Appell soll augenscheinlich Kanzlerin Angela Merkel unter Druck setzen. Vor gar nicht allzulanger Zeit fanden Sie die doch noch voll dufte – ebenfalls mit einer Zeitungsanzeige. Ist die Liebe etwas schon wieder abgekühlt? Im Fußball nennt man das einen „Erfolgsfan“.

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3 Kommentare zu “Oliver Bierhoff, der Erfolgsfan

  1. Doch, Bierhoff ist Lobbyist.
    In erster Linie wohl in eigener Angelegenheit, aber auch im Sinne einer Witrtschaftsfreiheit, gegen die man nicht zwingend argumentieren kann. Sein vergebliches Nike-Enagement vor zwei Jahren zeigt doch recht deutlich, wo er steht. Er unterhält ein umfangreiches Netzwerk, daß die 11 Freunde aus rein fußballerischer Sicht vor einiger Zeit mal sehr aufschlussreich aufgedröselt haben.
    Deshalb schließen sich Deine Überschrift und Deine vermiedene Schlussfolgerung nicht aus.

    By the way: Hans-Olaf Henkel ist besser als sein Ruf; zumindest besser als Oliver Bierhoff.

  2. Ergänzend: Rolf Bierhoff, Vater von Oliver Bierhoff, war lange Vorstandsmitglied von RWE. Einen sehr guten Beitrag zu dem Hintergrund dieser Anzeige gab es bei Zapp. Finde ihn gerade nicht, lohnt sich aber auf jeden Fall.

  3. Nedfuller, Deine Frage aus dem Verloren -Beitrag aufnehmend, will ich dann doch noch etwas dazu sagen, was ich adrnes gemacht he4tte:An der einfachen Antwort kann ich jetzt mal wieder nicht vorbeigehen: Gar nicht erst antreten. Aber, nein, das wfcrde ja keiner ernsthaft behaupten, dass man im Fudfball in 90 Minuten einem fcberlegenen Gegner so chancenlos unterlegen sein kann wie im Volleyball oder viel zu oft auch im Tennis, so dass man gar nicht mehr antreten sollte, schon gar nicht, wenn man ein Spiel wie das Viertelfinale im Kf6cher hat.Eine echte Aussage dazu, was ich adrnes gemacht he4tte, habt Ihr alle schon beim gelesen, also, nicht ich habe da gepostet, aber die Diskussion dort gibt doch ganz gut wieder, was man alles he4tte und soweiter Feind des Konjunktivs.Ich he4tte von Anfang an nicht auf Metzelder gesetzt, ich he4tte Hildebrand nicht so beschissen (mit der Betonung auf beschissen, nicht auf abgese4gt) abgese4gt, ich he4tte Odonkor nicht mitgenommen, ich he4tte, das vor allem, Standards trainieren lassen, weil man in knapp 6 Spielen (das weidf man ja vorher nicht) gerade mal 6 funktionierende Varianten bre4uchte, um das ja eigentlich im heutigen Fudfball so wichtige Element des Tores nach einem ruhenden Ball gewe4hrleisten zu kf6nnen, ich he4tte doch einfach mal einen bis zwei Abende lang einen meiner absehbaren Stammspieler gezwungen, aufs Karten Spielen zu verzichten und stattdessen so lange den Ball reinzubringen, bis das sitzt, gerade wenn man vorhat, mit Gomez und Klose anzutreten. Ich he4tte nicht so einen bei Fudfballern, zumindest bei denen jenseits von 25 Jahren, meist albern ankommenden Bergtourscheidf inszeniert und ich he4tte mir auch von Ballack, also zumindest theoretisch, nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen. Ich will aber hier gar niemanden niederschreiben, weil das alles Fehler sind, die passieren, wenn man vorher nicht weidf, was hinterher passiert. Hier dann immer so zu tun, als he4tte man das alles kommen sehen, macht Jogi kleiner als er durch das Gerumpel im Kontrast zu seinem Gelaber eh schon geworden ist, und das sollte er nicht sein.Ich schrob letztens schon, es war ja nicht erst seit dem Kroatienspiel der Wurm drin, bzw. eigentlich nur noch der deutsche Fudfball alter Pre4gung zu sehen, sondern schon ein halbes Jahr und noch le4nger zuvor. Nur weil man da nicht deutlich verloren hat, in die Zeit sogar noch Lehmanns-zu-Null-Rekord in der Nationalmannschaft fiel, haben sich alle oder zumindest ich oder zumindest Jogi oder zumindest Angela Merkel davon eben blenden lassen.Frings fand ich ebenso entte4uschend wie der grodfe Rest der Kommentierer bei jenen Quellen, die ich im Internet aufsuche, dass Hitzlsperger kein ganz grodfer ist, wfcrde ihm bei einem seiner Weitstodftore im entscheidenden Moment auch wieder verziehen und so liedfe sich die Reihe beliebig fortsetzen an Spielern, die eigentlich noch nie zur absoluten Weltspitze gehf6rten, zumindest auf den technischen Bereich bezogen. Wackelkandidaten, das las man immer wieder, gab es viele und im Prinzip ist das auch die treffende Bezeichnung ffcr den Auftritt der Deutschen: Wie Wackelpudding. Gegen Portugal wohl noch von den Auswirkungen des Tiefschlags durch Kroatien auf dem zurfcckwabernden Weg fcber d6sterreich in Glanzform, um dann wieder in die andere Richtung auszuschlagen. Vergessen darf man aber auch nicht, dass es wieder, einfachere He4lfte hin oder her, gereicht hat, um diverse namhafte Teams hinter sich zu lassen. Und gegen Spanien haben bei diesem Turnier ganz andere hf6her verloren. Das sind jetzt aber auch alles so offensichtliche Gemeinple4tze, dass es mich schon selbst wieder langweilt.Was ich adrnes gemacht he4tte:- den Unaussprechlichen nicht mal in die Ne4he einer Nominierung gerfcckt- Trochowski zu Hause gelassen- Odonkor zu Hause gelassen- Hildebrand nicht so unelegant entlassen- Gomez entweder vertraut oder nicht- Klose mehr als 2x im Monat zum Psychologen geschickt- schneller, besser, ehrlicher he4rter einen Ersatz ffcr Metzelder gesucht und aufgebaut (soweit mf6glich, natfcrlich nur)- das Gleiche muss man fast zu Frings sagen- Pocher niemals auf eine Bfchne mit der deutschen Fudfballnationalmannschaft bzw. vor allem nicht mit mir selbst gelassen, das galt aber noch mehr ffcr Xavier Naidoo und zu guter Letzt natfcrlich he4tte ich – nicht die Nerven gegen d6sterreich verloren. Das hat aber nix mit dem Finale zu tun und der allgemeinen Stimmung kann ich mich nur anschliedfen: Selten tat es weniger weh, ein Finale mit deutscher Beteiligung verlieren zu sehen als dieses. Leider.

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