Feuerwerk zur Wiedergeburt

Kaum ein Künstler hält nicht sein neues Album für das Beste. Verständlicherweise, wenn man selbst mit dem Ergebnis nicht zufrieden wäre, würde man es ja gar nicht erst veröffentlichen. Bei Eminem schlägt dieser Gedanke um in eine Abrechnung mit den letzten Werken. Die letzten beiden Veröffentlichungen zählten nicht, rappt er in „Talkin’ 2 Myself“. Bei „Encore“ sei er auf Drogen gewesen und „Relapse“ habe er nebenbei „hingerotzt“. Zeit also den Fans wieder was zu bieten, die er zuletzt im Stich gelassen habe.

Und genau nach diesem Motto klingt das neue Album „Recovery“ auch. Eminem ist für mich nachwievor der beste Rapper überhaupt und beweist das auch diesmal mit wahnwitzigen Wort-Eskapaden in beeindruckender Geschwindigkeit.

Musikalisch hat Eminem schon immer seine harten und aggressiven Raps musikalisch abwechslungsreich untermalt. Und wem das Dido-Sample in „Stan“ schon zu poppig war, der wird diesmal richtig geschockt. Zwischen typischen Eminem-Songs wie „On Fire“, „Not Afraid“ und „So Bad“ hat er nämlich alles Mögliche gemischt. Pink als Featuregast mag ja noch durchgehen. Mit „Going Through Changes“ kommen dann aber auch Black Sabbath auf einem Eminem-Album zu Wort, „You’re Never Over“ ist ein Geschrammel verzerrter Gitarren und „Space Bound“ klingt wie eine Akustikgitarren-Nummer, in die sich ein Rapper verirrt hat.

Höhepunkt dieser Experimentierfreude ist „No Love“. Lil Waynes Part ist schlicht brillant und wie Eminem hier den Rap-Text um ein 90er-Eurodance-Sample strikt ist einfach nur gut. Das hätte sich Haddaway wohl auch nicht träumen lassen, dass sein „What Is Love“ nochmal zur bösen Beziehungsabrechnung genutzt wird.

Und nachdem es jetzt eine erfolgreiche Single ist, keine Überraschung: Der größte Ohrwurm heißt „Love The Way You Lie“ – Rihanna ist eben doch immer am besten wenn sie melancholische, eher getragene Melodien singt.

Eminem ist wieder da. Und er ist nicht einfach zurück gekommen, er hat die Showtreppe aufgebaut und ein Feuerwerk gezündet. „Recovery“ ist weit mehr als eine „Erholung“ oder „Besserung“ – es ist Eminems Wiedergeburt.

Dieser Text erschien schon vor Wochen als Kolumne in der Sonntags-Beilage “Wo” des Badischen Tagblatts. Aber ich fände es schade, ihn nicht auch hier nochmal einzustellen.

Über Philipp

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