Sounds like Ukraine

Der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verdanken wir so manche Perle der Popgeschichte. Kein Wunder, dass es inzwischen zur stets wiederkehrenden Sportjournalisten-Folklore gehört, 20 junge Männer dabei zu filmen wie sie aus einem Omnibus steigen und – meist mit Kopfhörer um den Hals und Kulturbeutelchen in der Hand – Richtung Umkleidekabine stapfen.

Doch welche Musik kommt aus den Abspielgeräten der Jungmillionäre?

Seit Jahren und Jahrzehnten ist das ein beliebtes Ratespiel und so mancher Spieler konnte sich mit einem “Zweitimage” erfolgreich vermarkten. Lars Ricken und Mehmet Scholl haben beispielsweise sogar eigene Compilations herausgegeben, letzterer hat seit kürzerem sogar eine eigene Plattenfirma. Erstes Signing: Moop Mama: Rap mit einer Marching Band (also eine coolere Blaskapelle) im Rücken. Brooklyn meets Niederbayern. Aber nicht unspannend.

Die großen Musikliebhaber scheint es aktuell in der Nationalmannschaft nicht mehr zu geben. Thomas Müller und Mario Gomez versorgen ihre Fans mehr oder minder regelmäßig mit Musik-Tipps bzw. Einblicken in die eigene Playlist – das Betrachten von Airplay- oder Verkaufscharts ergäbe in etwa dasselbe Bild. Und Marcel Schmelzer hat zusammen mit seinen Mitspielern Mohamad Zidane und Roman Weidenfeller ein Bushido-Konzert sogar mal von der Bühne aus betrachtet. Und dabei die denkwürdige Zeile “ich hab Style und das Geld, ich hab all das was den Fotzen gefällt” inbrünstig mitgerappt.

Klaro, warum sollten Fußballer andere Musik hören als ihre Altersgenossen?

Außer natürlich der Kapitän höchstpersönlich. Der ist bodenständig, normal geblieben und auch durchaus konservativ. Um diese These zu untermauern gibt er freimütig zu, gerne STS zu hören, in Bayern nachwievor beliebter Song auf Feten, klaro. Aber ist ihm da nix aktuelleres, moderneres oder überraschenderes eingefallen?

Naja, der Mann war ja auch 2006 schon Stammspieler. Bei der Spieler-Generation, der wir Xavier Naidoo in allen Farben und Formen und v.a. einem 7-Minuten-Song als heimlichen Sommerhit zu verdanken haben. “Danke” war fünf Wochen auf Platz 1 der dt. Single-Charts. Und das nur, weil öffentlich wurde, dass Mannschafts-DJ Gerald Asamoah in der Kabine gerne “Dieser Weg” als Motivationshilfe auflegte.

 

Hier auf jeden Fall der Versuch, den Spielern ein paar Songs zu empfehlen, die sich bei einem Freundschaftsspiel in und gegen die Ukraine gut im Player machen, wenn wieder ein Journalist vorm Omnibus wartet:

1. Tracy Chapman – Talking About A Revolution

Auch wenn der Vorzeige-Bildungsbürger-Profi Andreas Beck in der Nationalmannschaft keine Rolle spielt, dürfte es den ein oder anderen Spieler geben, der bemerkt hat, dass die Ukrainer – wie fast alle osteuropäischen Völker – darum kämpfen, wirkliche Mitspracherechte zu erhalten und in einer Demokratie zu leben. Geschafft ist das – gerade in der Ukraine – noch lange nicht, aber ein Anfang ist gemacht.

 

2. Bushido – Sonnenbank Flavour

Am Spielort Kiew denkt nicht nur Arjen Robben über lange Unterhosen nach. Bei Anpfiff hat’s immerhin null Grad, allerdings leichten Wind.

Da sehnt man sich nach Sonne.

 

3. Cold As Ice

Noch ein Gefriersong. Aber der ultimative Tipp, weil es den in mehreren Stilrichtungen gibt: Für das Rapmusik-liebende Volk die von M.O.P., der konservative Hardrock-Fan hält sich ans Original von Foreigner.

Über Philipp

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Ein Kommentar zu “Sounds like Ukraine

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