Derzeit macht es richtig Spaß, den Markt für Musikstreaming zu beobachten. Neuester Coup: Die GEMA kämpft (endlich) gegen ihr schlechtes Image bei Usern an. Als Zeichen à la „man kann sich mit uns einigen“ und „wir sind nicht die Blockierer“, aber auch als Präzedenzfall hat sie einen Vertrag mit dem Branchenverband Bitkom geschlossen. Darin sind unter anderem die Tarife für Online-Musikstreaming geregelt: 60 bis 100 Cent pro Nutzer und Monat werden fällig.
Das ist ein ordentlicher Batzen Geld. Simfy kostet beispielsweise pro Monat fünf Euro für Premium-Nutzer, da macht die GEMA-Abgabe gleich mal bis zu 20 Prozent aus. Dazu noch die Betriebs- und Personalkosten und schon bleibt nicht mehr viel übrig für die (nötige) Quersubvention der Kostenlos-Nutzer. Kein Wunder, dass seit einiger Zeit nur noch fünf Stunden Musikstreaming pro Monat im „Free“-Modell enthalten sind.
Drüben bei neumusik lecken sich Marcel Weiß und Martin Weigert seit diesem Vertrag schon die Finger nach dem Deutschland-Start von spotify, für den die grundlegenden inhaltlichen Rahmenbedingungen nach dieser Einigung gegeben wären. Denn – wie gesagt – das ist ja ein Präzedenzfall. Nicht nur Bitkom-Mitglieder dürften sich Rabatte erhandeln können, aber die Obergrenze ist gesteckt. Bitkom-Vizepräsident Volker Smid deutet in der gemeinsamen Pressemitteilung mit der GEMA auch unverhohlen einen möglichen Deutschlandstart von spotify an:
Einzelne Dienste, die bisher im Ausland erfolgreich sind, finden jetzt auch in Deutschland ähnliche Lizenzierungsbedingungen vor. Wir gehen deshalb davon aus, dass es künftig noch mehr Musikdienste in Deutschland geben wird, bei denen Nutzer für eine monatliche Pauschalgebühr alle Titel vollständig online hören können
Aber: Noch gibt es keinen Vertrag zwischen spotify und GEMA, da spotify kein Bitkom-Mitglied ist. Und da generell immer noch fraglich ist, wie sich Streamingdienste rechnen sollen, wird sich das mit dem Vertrag noch etwas ziehen. Schon lustig, wie es die CEOs der deutschen Majors geschafft haben, aus der Nummer raus zu sein. Einerseits spotify und andere Dienste in Deutschland fordern, andererseits aber auch kräftig abkassieren und deren Existenz damit bedrohen wollen…
Nur für „rein werbefinanzierte Angebote“ und Musikvideos gilt das Abkommen nicht. Also beispielsweise für youtube. Dieses zeigt auch weiterhin keinerlei öffentliches Interesse an einer Einigung und bei der GEMA scheint dieses derzeit auch eingeschlafen zu sein. Wahrscheinlich hat Johnny Häusler recht, wenn er ein Schlichtungsverfahren zwischen den beiden fordert. Der Status Quo sollte nämlich eigentlich allen Beteiligten peinlich sein und doch tut sich seit Jahren nichts.
Der derzeit einzige ernstzunehmende Streamingdienst in Deutschland, simfy, bereitet sich auf jeden Fall schon auf neue Geschäftsfelder vor. Die neueste Version des Players kann die iTunes-Bibliothek des Nutzers importieren und möchte so Standard-Musikabspielsoftware werden. Bei den Playlisten sieht man dann sowohl die lokalen als auch die auf dem simfy-Server.
Und bei der Zusammenstellung ist eigene Musik mit simfy-Angeboten kombinierbar (lokale Musik erkennt man am Notenzeichen rechts).
Nur die Suche ist noch ausbaufähig, hier muss man weiterhin unterscheiden zwischen simfy-Angeboten und lokal vorhandener Musik. Wenn man zum Beispiel wie ich unzählige Alben der Ärzte besitzt, findet man die im simfy-Player trotzdem nur wenn man gezielt lokale Musik durchsucht.
Der nächste Schritt von simfy ist die Synchronisierung der eigenen Musik mit der Cloud und der Zugriff auch über andere netzwerkfähige Geräte wie Smartphones oder Zweit-Computer. Klingt konsequent und zukunftsträchtig – allerdings nur bis Google und Amazon ihre entsprechenden Angebote auch nach Deutschland bringen.
Schritt 3 der simfy-Weiterentwicklung macht mich erst Recht misstrauisch: Die Nutzer sollen personalisierte und passende Musik-Empfehlungen kriegen. Das ist bei lastfm schon nur mittelmäßig gelungen, Amazon kämpft da ebenfalls mit, was genau kann simfy besser machen? Auf den entsprechenden Algorhythmus bzw. das Ergebnis bin ich höchst gespannt.
Eins ist aber klar: Es tut sich endlich wieder was und Zukunftsvisionen von simfy sind berechtigt. Denn nach Jahren in der Nische wird Streaming ernst genommen, dabei habe ich neulich noch geunkt. Sogar die GEMA und ihre Mitglieder sind aufgewacht, wer hätte das gedacht?


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