Mein Musikgeschmack ist eine Wundertüte. Wer mich vor zehn Jahren schon kannte, kann bei Platz 10 bis 6 meiner Lieblingsalben 2011 nur den Kopf schütteln. Hört der ehemals langhaarige Metal-Shirt-Träger fast nur noch Pop und Rap? Keine Sorge, hier sind meine fünften Lieblingsalben 2011.
5. Korn – The Path Of Totality

Korn - The Path Of Totality
Mit dem letzten Album “Korn III: Remember Who You Are” hat mich die Band positiv überrascht. Anscheinend ist die Erinnerung an ihre Anfänge noch nicht ganz verschwunden. Wie sie in Rock- und HipHop-Szene gefeiert wurden (immerhin waren sie sowohl von Megadeth als auch House Of Pain mal Vorband), wegen dieser charakteristischen Mischung aus tiefen, wuchtigen, siebensaitigen Gitarren, dem leicht metallischen, groovenden Bass-Schlagzeug-Gemisch und Jonathan Davis’ Art, mal klassisch-pathetisch zu singen und im nächsten Moment einfach nur rumzuschreien.
All das finden wir auf “The Path Of Totality”. Zusätzlich haben sich Korn einige junge Elektro-DJs geholt, ihrem zehnten Album eine ganz neue Note zu verpassen. Der bekannteste dürfte Skrillex sein, der im Sog von deadmau5 2012 bei Rock am Ring auftreten wird und eine harte, sehr breaklastige Form von Dubstep macht. Passt perfekt und “The Path Of Totality” ist das rundum gelungene Album einer Band, die die eigenen Stärken kennt und mit modernen Stilmitteln verstärkt hat.
4. K.I.Z. – Urlaub fürs Gehirn

K.I.Z. - Urlaub fürs Gehirn
K.I.Z. stecken in einem Dilemma. Provokation und Respektlosigkeit sind ihre Stärken, andererseits möchten sie gerne im Massenmedium Radio stattfinden. Aber welche Sender spielen überhaupt (deutschen) HipHop? Und dann kommen in fast allen Songs die üblichen Mutterficker-, Drogen-, Gewalt- oder Nazi-Provokationen vor. Immerhin, “Abteilungsleiter der Liebe” und “Fremdgehen” haben es hier und da geschafft. Weil die Jungs nicht nur die Beats etwas glatter geschliffen haben sondern auch – in homöopathischen Dosen – die Texte.
Ich habe lange mit “Urlaub fürs Gehirn” kämpfen müssen, vieles war mir zu verkrampft darauf getrimmt, irgendwie ins Radio zu passen. Das häufige Singen beispielsweise – oder das, was K.I.Z. dafür halten. Aber nach einigen Durchläufen hat sich der spezielle Humor auch diesmal wieder unentbehrlich gemacht. Denn egal ob man die Witze mag oder zu krass findet: K.I.Z. schreiben derzeit vielleicht die besten deutschen Songtexte.
Beispiele? “Meine Vergleiche sind noch weiter hergeholt als die Kinder von Madonna”, “Ich hab das Ghetto-Abitur, schau, hier ist mein Armutszeugnis” und und und.
Wie immer gefällt nicht jeder Song. Aber das ist bei diesem Humor so gewollt. Auf den zweiten Blick ist es eben doch nicht so glatt gebügelt sondern eckt permanent an. Gut so!
3. Jupiter Jones – Jupiter Jones

Jupiter Jones - Jupiter Jones
Schon lange beobachte ich das Schaffen von Jupiter Jones mit Freude, spätestens seit dem großartigen Album “Holiday For Catatonia”. Und seit der Akustik-Version von “Still” Ende 2010 bei “Inas Nacht” war klar: 2011 wird das Jahr von Jupiter Jones.
Unglaublich und unwirklich erfolgreich. Sänger Nicki betonte im Interview, von einer Platin-Auszeichnung (für “Still”) habe man früher noch nichtmal geträumt, so unerreichbar sei das. Und jetzt ist “Still” der meistgespielte deutschsprachige Titel im Radio 2011. Zurecht!
“Jupiter Jones ” ist ein großartiges Album. Weniger schroff als die Vorgänger, dafür aus einem Guss und rundum gelungen.
Aber das habe ich ja hier auch schon geschrieben.
2. Foo Fighters – Wasting Light

Foo Fighters - Wasting Light
Nach dem gezielten Spiel mit der laut-leise-Dynamik ist “Wasting Light” eine komprimierte und harte Liebeserklärung an verzerrte Gitarren. Nie waren die Foo Fighters lauter und heftiger als in “White Limo”, selten packender als in “Arlandria” und “Back & Forth” und nie fielen die melodischen Songs mehr auf als “These Days” und “Walk”. Dazu “Rope”, das spätestens mit dem Drum-Break gegen Ende weit weniger glatt gebügelt ist, als böse Zungen behaupten. Ein Album, das mir das ganze Jahr Spaß gemacht hat.
Die vorzüglich funktionierende Promo-Maschinerie tat ihr übrigens. Ruhige Songs könne er machen, wenn er alt sei, erzählte Dave Grohl in Interviews. Einen Probenraum-Gig von “Wasting Light” gibt’s bei youtube, die DVD “Back & Forth” zeigt die Band in ihrer Geschichte und den Aufnahmen zum neuesten Album. Mit dem Tour-Trailer schockten sie die rechtskonservativen christlichen Fundamentalisten, über die sie sich bei Protesten auch noch lustig machten. Und ein 40-Minuten-Film zeigt, dass die Foo Fighters wirklich in jeder Scheune ihren Fans eine Freude machen können.
Kurz: Die Foo Fighters haben ebenso Spaß wie der Hörer von “Wasting Light”. Und wer noch mehr Argumente braucht: Hier habe ich sie aufgeschrieben.
1. Adele – 21

Adele - 21
Selbst wer selten Radio hört, kam an Adele nicht vorbei. Das muss man erstmal schaffen. “21″ ist aber auch ein echter Geniestreich, selbst die schwächeren Songs sind keine Skip-Kandidaten.Getragen wird das Album von Adeles kräftiger und gleichzeitig melancholisch-gefühlvoller Soul-Stimme. Die Instrumentierung ist zurückhaltend aber abwechslungsreich und schafft eine perfekte Atmosphäre für die größtenteils traurigen Texte.
Die drei Singles zeigen, wie vielfältig Popmusik sein kann ohne sich erfolgreichen Vorbildern zu sehr anzubiedern. “Rolling In The Deep” ist mit Akustikgitarre, Schlagzeug, Bass und Klavier recht klassischer Pop-Rock. Bei “Set Fire To The Rain” kommt noch ein Synthie-Streicher-Teppich dazu, während “Someone Like You” eine reine Piano-Ballade ist. Hinter diesen drei Über-Songs müssen sich “Turning Tables”, “Rumour Has It” und “Don’t You Remember” und andere Albumtracks aber nicht verstecken.
“21″ hat mich mit seiner Atmosphäre und Vielfalt überrascht und begeistert. 2011 war zurecht das Jahr von Adele.