Fußballtennis in der Hotellobby

Scherben bringen Ärger. Vor allem die von kaputten Fensterscheiben oder Blumenvasen. Deswegen spielt ein Kind höchstens einmal in der elterlichen Wohnung Fußball. Denn selbst beim eins gegen eins auf dem Flur können Spiegel oder Mutters Lieblingsvase zu Bruch gehen.1

Trotzdem gibt es gute Gründe für das Fußballspiel in der Wohnung: Schlechtes Wetter. Innenstadtwohnung und kein Bolzplatz in der Nähe. Oder schlicht sturmfrei.

Alle diese Gründe treffen auf den FC Bayern wohl nicht zu. Immerhin kriegen die Spieler als Entschädigung für den 4.400-km-Umweg eine Sonderbehandlung:

Am Flughafen dürfen sie den Ausgang nehmen, der normalerweise ausländischen Staatschefs und höchsten Diplomaten vorbehalten ist.

Aber ein deutscher Autohersteller möchte nunmal das Land erobern, dessen Durchschnittseinwohner weit von der Preisklasse der Produkte entfernt ist. Und ein deutscher Fußballverein möchte in eine ehemalige Kolonie vordringen und Manchester United, Liverpool und Co. ein paar Fans wegnehmen. Und wenn nicht denen, dann wenigstens Inter Mailand, Real Madrid oder dem FC Barcelona.

Der Trainer ist ehrlich:

Hinter diesem Spiel stecken natürlich auch wirtschaftliche Überlegungen.

Und der Mannschaftskapitän spart in einer Kolumne in der indischen Zeitung „Hindustan Times“ nicht an Pathos:

Ich hoffe unser Besuch in Indien wird der Beginn einer neuen Ära von Freundschaft.

Und so kommt es, dass im „ersten Hotel am Platz“, einem „Haus, in dem man die Geschichte atmen kann“, die Perserteppiche mit Gaffer-Tape zum Spielfeld für Fußballtennis gemacht wurden:

Fußballtennis im Nobelhotel

Fußballtennis im Nobelhotel (Bild via Facebook, Rechte: FC Bayern )

Interessant ist auf der exzellent gepflegten Facebook-Seite des FC Bayern übrigens auch der Blick in die Kabine. Vor allem darauf, welche Spieler auf lumpigen Gartenstühlen Platz nehmen müssen, während andere in der Halbzeit die noble Ledercouch vollschwitzen dürfen.

Kabine des FC Bayern vor dem Spiel gegen Indien

  1. Es sei denn natürlich man hat die technischen Fähigkeiten eines Mario Götze, der laut Interviews zuhause immer gegen seinen Bruder gespielt hat. Wohlgemerkt in der Wohnung, nicht im Vorgarten.

Über Philipp

siehe Impressum.

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