Der ARD ist ein echter Coup gelungen: Das Netz ist mit dem Programm zufrieden. Sogar Thomas Knüwer. Sogar am Vorabend. Um das möglich zu machen, musste einer der bekanntesten Moderatoren des Landes zur ARD wechseln: Thomas Gottschalk.
Dort macht er seit gestern ein tägliches Magazin, das er selbst „Wohlfühl-Halbestunde“ nennt.
Und dass er selbst sich wohlfühlt, war deutlich zu spüren. Und spätestens als Gast Michael „Bully“ Herbig Hotel-Puschen mitbrachte, kam endgültig freundschaftliche Lagerfeuer-Atmosphäre auf.
Danach war Schluss mit der Herrlichkeit. Was in den ersten 15 Minuten mit einem gottschalk-typisch fahrigen Opening begann, driftete immer mehr in die Belanglosigkeit ab. Was kein Problem wäre, sondern schon fast Markenzeichen des Thomas G ist. Schade war es aber, weil die Vorfreude vieler dadurch ziemlich enttäuscht wurde.
Social Media wollte die Redaktion einbinden. Und schon recht am Anfang wiederholten sie diesen Anspruch. Hashtags erkläre er später einmal, sagte Thomas Gottschalk zu seiner jungen Social-Media-Assistentin. Nur um sie Sekunden später zu fragen, wieviele Zeichen ein Tweet hat. Eine Kleinigkeit, sicherlich, aber beispielhaft dafür, wie sehr Gottschalk und seine Redaktion noch schwimmen und „Gottschalk live“ öffentliches „work in progress“ ist.
Hoch anrechnen muss man dem Team und der ARD, dass sie es wenigstens versuchen, das Internet als echten Mitmachkanal ernst zu nehmen und nicht nur als weiteren Ausspielweg zu sehen. Sie hätten das auch beim ersten Versuch schon etwas mehr forcieren können. 4,34 Millionen Menschen verfolgten die Sendung, zahlreiche davon waren parallel bei Facebook und Twitter. Das kurz aufzugreifen und schonmal – auch Social-Media-Unbeleckten – zu zeigen, wie das gedacht ist und laufen kann mit der Einmischung von außen, das hätte ich mir gewünscht.
Dass „Gottschalk live“ gar nicht so schlecht war, wie das hier vielleicht klingt, hat Daniel Fiene in einem wunderbaren Satz zusammengefasst:
Wenn sich jetzt die Leute nur darüber aufregen, dass es zu viele Werbeunterbrechungen gab, dann hat Gottschalk etwas richtig gemacht.
Das Debüt war – nur oder immerhin? – solide, mein Fazit fällt genauso aus wie das von Kollegen Patrick:
Eigentlich will ich, dass mir diese Sendung gefällt. Ich mag nämlich Gottschalk und ich fand die Ideen gut.
P.S.: Nach der Sendung war Gottschalk wohl höchstpersönlich eine halbe Stunde in Chat, bei Twitter und bei Facebook. Das konnte ich leider nicht sehen, weil ich meine Tochter ins Bett bringen musste. Sorry!