Welches Streamingportal für Musik ist das Beste für deutsche User? Diese Frage bewegt mich schon seit ein paar Wochen, seit merklich Bewegung in den Markt gekommen ist.
Insgesamt vier legale Angebote gibt es bis inzwischen in Deutschland: simfy, deezer, rdio und rara. Deezer gehört international zu den Etablierten und hat nach eigenen Angaben 20 Millionen Nutzer weltweit.
Ein Test zeigt: der bisherige Marktführer und Platzhirsch simfy bekommt damit ernsthafte Konkurrenz.
Der erste Eindruck / Design
Schon der Blick auf die deezer-Startseite macht Lust aufs Musikhören. Top-Titel, Top-Alben und Top-Künstler sieht man da und fünf neue Alben aus den Genres Rock, Pop und Indie/Alternative werden präsentiert. Weiter unten gibt’s dann noch Neues aus allen anderen Kategorien, von “Schlager/Volksmusik” bis “Jazz/Blues” und die Top-Radios von deezer.
Der Player im oberen Seitenfünftel fällt da fast gar nicht auf. Ist am Anfang ja aber auch (noch) leer.
Auffällig sind die Favoriten-Sterne an bestimmten Künstlern, diese holt sich deezer aus dem – bei Anmeldung standardisiert mit deezer verbundenen – Facebook-Profil. Diese Verknüpfung ist ein wenig ärgerlich, ich empfehle gleich am Anfang der deezer-Nutzung im Profil (der kleine Pfeil oben rechts) unter “Benachrichtigungen und Teilen” einzustellen, was man seinen Freunden bei Facebook mitteilen möchte. Neben den gespielten Songs postet deezer nämlich auch Kommentare und Empfehlungen, was man einzeln abschalten kann. Oder die Verknüpfung ganz aufheben.
Inhalitlich ahnlich präsentiert sich die Startseite von simfy, wenn auch etwas kompakter gestaltet. Bei deezer muss man ellenlang nach unten scrollen, um alles zu sehen, simfy bietet das auf einem Bildschirm. Dort ist auch der Player (in diesem Fall unten auf der Seite) etwas auffälliger gestaltet – wenn auch nicht größer.
Neben der sehr präsenten und übersichtlich gestalteten Auswahl an Neuerscheinungen gibt’s auf der simfy-Startseite auch “Beliebte Playlists” zu sehen.
Zufällige Musikstreams (“Radio”) sind bei simfy ziemlich eingeschränkt. Es gibt zwar Künstlerradios, aber keine Genre-Auswahl. Ganz im Gegensatz zu deezer, wo die Radio-Rubrik schick gestaltet, aber auch riesig und etwas unübersichtlich ist (siehe Screenshot-Galerie am Artikelende).
Repertoire
simfy wirbt mit über 16 Millionen Titeln, deezer spricht von 13 Millionen. Aber was heißt das schon? Ich habe ich die Probe aufs Exempel gemacht.
Die Titel der Majors und Indies in den deutschen Single-Charts sind hüben wie drüben verfügbar. Spannender ist der Blick auf Neues. Dabei habe ich nur Singles von unveröffentlichten Alben berücksichtigt, alles andere ist natürlich im Katalog (wenn auch nicht die Single-Versionen). Ergebnis: Was der eine hat, hat der andere auch. Mit Ausnahme von Sean Paul (Warner): dessen neue Single “She Doesn’t Mind” gibt’s bei deezer, aber nicht bei simfy.
Für deezer spricht in diesem Fall auch die Möglichkeit, eigene MP3s hochzuladen, die dann natürlich beliebig verfügbar sind. Auch meine Soundcloud-Favoriten kann ich dort einbinden. In den Desktop-Player von simfy kann man zwar seine Musikbibliothek importieren, eine Cloud-Lösung gibt es dort aber (noch) nicht.
Außerdem bietet deezer auch gleich einen Preisvergleich, was einzelne Songs bei amazon und iTunes kosten und die Möglichkeit, sie dort gleich zu kaufen.
Wenn etwas bei deezer noch nicht im Katalog ist, gibt es oft den Hinweis, wann es soweit sein wird (beispielsweise beim Album von Sean Paul), während die simfy-Suche dann schlicht nichts ausspuckt. Dafür hat deezer in seiner “Songs der Woche”-Playlist auch Titel, die ich gar nicht abspielen kann. Absurderweise ist für den deutschen Markt angeblich auch Farid Bang, deutschsprachiger Rapper, nicht verfügbar etc.
Was simfy besser macht: Wenn sie von einem Künstler explizit keine Freigabe haben, dann geben sie das so an. Damit weiß jeder, woran er ist. Bei deezer taucht der einfach nicht auf.
Kosten
Die Preise für Musikstreaming in Deutschland pendeln sich auf ein einheitliches Niveau ein: 4,99 Euro für unbegrenzte Nutzung, 9,99 Euro wenn man auch mobil und offline das Angebot wahrnehmen möchte. Ein kostenloses Schnupperangebot haben beide, simfy für 30 Tage, bei deezer sind es 14.
Simfy ist zusätzlich auch kostenlos, dann mit Werbung, nutzbar, allerdings nur bis zu fünf Stunden pro Kalendermonat. Bei deezer gibt’s kostenlos nur 30-Sekunden-Ausschnitte der Songs, das ist weniger als bei iTunes.
Social Media
Deezer setzt voll auf die Verknüpfung mit Facebook. Lässt man diese zu (unabhängig davon, ob man dann dort auch gehörte Musik etc. postet), importiert deezer Künstlerseiten, denen ich bei Facebook folge, direkt als Favoriten. Ein starkes Features, vor allem in Verbindung mit den persönlichen Empfehlungen. So macht mich deezer auf den Stream zum neuen Album von Air aufmerksam, weil ich deren Facebook-Fan bin.
Ein Killer-Feature sind auch die Plugins von deezer und die offene API. Mit ein paar Mausklicks kann man Playlisten-Widgets für die eigene Homepage konfigurieren und einbinden, ebenso wie gerade gehörte Songs, Nutzer-Charts, Künstler-Diskografie, ähnliche Künstler und deezer-Charts. Nicht-zahlende Nutzer bekommen dann nur 90-Sekunden-Ausschnitte, aber immerhin.
Beispiel:
Simfy bietet all das nicht und hat hier absoluten Nachholbedarf. Um den Link zu Album oder Künstler aus der Browserzeile zu kopieren, brauche ich keine “Teilen”-Funktion.
Und für Geeks: Teilen auf Google+ geht bei beiden nicht auf Knopfdruck, scrobbeln bei lastfm bei beiden ohne Probleme.
Usability
Die Suchfunktion ist auf beiden Seiten grausam. Häufig findet man dort vor allem Karaoke- und Cover-Versionen und nur irgendwo mittendrin versteckt das Original (siehe Screenshots unten). Oft ist der Umweg über das Künstlerprofil daher besser.
Bei deezer erfordert es zudem etwas Übung, einen Song aus den Suchergebnissen in den Player zu bringen, ohne gleich die komplette Trefferliste zu laden. Die Mischpult-Funktion ist dafür für Spielkinder wie mich schlicht großartig und absolut partytauglich!
Mobil
Ich habe die Apps beider Angebote nicht wirklich getestet, daher hier nur die Rahmendaten.
Deezer gibt’s für Android, BlackBerry, iOs, Sony Ericsson, Samsung, Logitech und Sonos. Und – auch wenn auf der deezer-Homepage noch nicht vermerkt – Windows Mobile, wie Stefan in den Kommentaren anmerkt. Simfy bietet Apps für Android, BlackBerry, iOs.
Bei beiden kann man die Musik dann auch in die App laden und offline hören.
Wer Erfahrung mit der einen oder anderen App hat, darf sich gerne in den Kommentaren melden, dann ergänze ich das hier!
Fazit
Simfy hat den größeren Katalog (was ich bei der Suche nicht wirklich bemerkt habe) und ist vor allem für die kostenlose Nutzung das eindeutig bessere Angebot. Dafür bietet deezer auch Mobilapps neben den großen Playern (Windows Mobile gibt es – noch – weder beim einen noch beim anderen) und hat mit den Widgets für Blog- und Webseitenbetreiber ein absolutes Killer-Feature zu bieten.
Simfy versteht Musikstreaming nachwievor als Solo-Event, während deezer mit Facebook und seinen Möglichkeiten spielt. Gerade der Hinweis auf neue Veröffentlichungen meiner Lieblingsbands ist ein tolles Angebot, genauso wie die zahlreichen Streams.
In Sachen Design geht es ja vor allem um Geschmack und persönliche Vorlieben. Ich mag die kompakte Darstellung bei simfy lieber als das “zu Tode scrollen” bei deezer. Aber das ist rein subjektiv.
Unterm Strich muss sich simfy mächtig anstrengen, um die Marktführerschaft zu behalten. Deezer ist ein klasse Angebot und mindestens auf Augenhöhe.
Kompakter habe ich diese Infos auch in einem Google-Sheet aufgeschrieben. Möge es bei Eurer Wahl behilflich sein! Genauso wie ein Eindrücke von beiden Angeboten.
- deezer – Startseite
- simfy – Startseite
- deezer – VÖ-Datum
- simfy – Aktuelle Charts
- simfy – Empfehlungen
- simfy – keine Streamingfreigabe
- simfy – Radio1
- simfy – Radio2
- simfy – Suche “Someone Like You”
- deezer – Empfehlungen
- deezer – Meine mp3s
- deezer – Plugins
- deezer – Radios
- deezer – Suche “Someone Like You”
- deezer – Tracks der Woche (grau nicht verfügbar)

















Doch gibt es! Deezer bietet auch eine App für Windows Mobile (Windows Phone 7) an, die tadellos funktioniert. War für mich der Entscheidungsgrund gegen simfy und für deezer.
Toller bericht, sehr ausführlich beschrieben. Ich bin auch seit einigen tagen Simfy Kunde und muss sagen Simfy macht seinen Job sehr gut auch sehr Support rehagiert schnell auf probleme… Ich denke das sich dieses ganze Musik Streaming durch setzen wird und eine Zukunft in schritt Computer Clouding gehen wird, und viel in Digitaler zahlung hinaus was ja auch besser ist.
Pingback: Das Ende von simfy ist nah | Niveau ist keine Creme
ähm deezer hat offiziell 18 Millionen Tracks und simfy offiziell 16 Millionen Tracks
bin bei deezer und simfy angemeldet finde simfy kein vergleich zu deezer suche gerne mal auch neue Künstler ohne chart ausdünstungen und finde deezer qualtiativ sowie auch in der summe anspruchsvoller
ausserdem kann bei deezer der browser genutzt werden und bei simfy mit adobe air gibt es fast täglich updates und das ist nervig
ein weiterer deutlicher pluspunkt ist die direkte verküpfung zu amazon und itunes bei der die titel auch gekauft werden können
@Hitaros
mal abgesehen vom cloudgedöns und digitaler zahlung
wer weis eigentlich ob das geld auch bei den einzelnen musikern ankommt ?