Mit den eigenen Waffen geschlagen

Eine merkwürdige Saison der Bayern fand gestern ihren traurigen, aber beispielhaften Höhepunkt. Der FC Bayern München hat dieses Jahr die Waffe vermissen lassen, die ihn an sich auszeichnet : Effizienz.

Jahrelang galt es als ungeschriebenes Gesetz, dass die Bayern in wichtigen Spielen zur Stelle sind und aus wenigen Chancen Tore machen. Dieses Jahr ist das leider anders.

In der Bundesliga-Vorrunde spielten Mannschaften teilweise fast körperlos und gingen unter. Andere, gerade in der Champions League, kämpfte man nieder oder überrannte man.

In der Rückrunde aber schlugen sich die Bayern größtenteils selbst. Erst den Vorsprung in der Liga durch dumme Punktverluste und individuelle Fehler verspielt. Und dann bewiesen, dass man aus den Niederlagen gegen Dortmund nichts gelernt hat und gefühlt minutenlang den Ball am Fuß behält, statt nach wenigen Kontakten abzuspielen.

Das alleine war bitter, aber die Mannschaft hatte sich die Chancen bewahrt, in den anderen beiden Wettbewerben zu siegen.

Leider war das Pokalfinale ein Omen: Die Bayern spielten gegen einen Gegner, der nicht besser, aber wesentlich zielstrebiger und effizienter war. Dazu noch ein paar Geschenke und fertig ist die – zu hohe – Niederlage.

Liga futsch, DFB-Pokal futsch, letzter Halt Champions League. Gestern also dann das ersehnte “Finale dahoam“. Riesenstimmung und eine großartige erste Elf. Die gesperrten Alaba, Badstuber und Gustavo hat man nicht vermisst. Individuelle Abwehrfehler zum Glück schon.

Nur die Chancenverwertung ging gar nicht. Mario Gomez erwischte einen schwarzen Tag und machte instinktiv in praktisch jeder Situation das Falsche. Und Robbery waren bemüht, aber nach außen abgedrängt, was diese Spitzenspieler unverständlicherweise nachwievor komplett aus dem Spiel nimmt, weil sie nicht gut flanken können (und es zu selten überhaupt tun).

So blieb die große Überlegenheit und vor allem in der zweiten Halbzeit auch ein Paket dicker Chancen ungenutzt. Bis zur 83. Minute: Thomas Müller Fußballgott überwand Petr Cech. 1:0, bisher spitzenmäßige Defensivleistung (die komplette Viererkette verdiente sich die Note eins). Jupp bringt den kopfballstarken van Buyten für Müller, sieben Minuten noch, mit Nachspielzeit zehn. Der Vorsprung sollte zu halten sein gegen eine Mannschaft, die bis dahin gefühlt dreimal aufs Tor geschossen hat.

Leider hat mein “Alle auf Drogba“ in München keiner gehört. Ecke, Kopfball: Das glücklichste 1:1 seit langem.

Also Verlängerung. Elfmeter. Schon wieder Robben. Schon wieder verschossen. Wir brauchen dringend wieder einen etatmäßigen Elfmeterschützen, der die Kugel im Zweifelsfall einfach mal mit 200 km/h mittig unter die Latte fotzt. Und der nicht schon bei jedem europäischen Topverein gespielt und den Torhütern somit seine Lieblingsecke im Training verraten hat.

Schließlich Elfmeterschießen. Rest bekannt. Kein Vorwurf an Basti, das Spiel wurde viel früher verschenkt. Nach dem Pfostenschuss nur noch innere Leere gigantischen Ausmaßes. Das Bier schmeckt schlagartig scheiße, keinen Bock auf Konversation, keine Lust auf dumme Sprüche, keine Lust auf Mitleid. Twitter off, Fernseher aus. Facebook sowieso. Ein “gefällt mir“ kann so fehl am Platz sein. Manche Einträge kommen gut ohne aus. Auch wenn ich weiß, wie’s gemeint war. As I said: Kein Mitleid bitte.

Einen Morgen später ist es kaum besser. Leider.

Nie im Leben darf Bayern das Spiel verlieren. Aber: Dazu muss man eben seine Überlegenheit für klare Chancen nutzen. Und die dann auch reinmachen. Elfmeter in der Verlängerung? Der muss einfach sitzen.

Bayern hat seine Effizienz irgendwo im Wintertrainingslager verloren. Und ist jetzt erst Recht Rekord-Vize.

Aber, ihr Hater und Schadenfreudige: Diesen Verein wirft niemand um. Basti, Philipp, Thomas, Franck und Co. werden die Titel noch gewinnen, die sie verdienen. Ihr kommt höchstens mal in die Vorrunde der Champions League (wenn euer Verein überhaupt in der 1. Bundesliga spielt): Wir waren jetzt zwei mal in wenigen Jahren im Finale.

Diesmal haben wir ungerecht verloren. Aber der nächste Sieg kommt bestimmt. Mia san mia.

Und in ein paar Wochen feuert ihr die an, die ihr jetzt auslacht.

Glückwunsch Chelsea. Wenig gebracht, viel Glück gehabt und doch gewonnen. Ihr habt euch anscheinend richtig vorbereitet.

Über Philipp

siehe Impressum.

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