Oha, die Musikindustrie bewegt sich!

Außenstehende dürften kaum verstehen, warum der Branchenverband der Musikindustrie die jüngsten Änderungen der Verkaufscharts so feiert. Denn media control hinkt damit der Zeit immer noch hinterher und hat einen der entscheidenden Punkte auch nicht gelöst.

Aber: Immerhin tut sich was, man ist inzwischen ja schon froh, wenn die Branche Gegebenheiten der Zeit wenigstens erkennt (wenn auch mit Verzögerung).

Ab morgen gelten für die offiziellen Verkaufscharts neue Regeln. Das komplette Regelwerk (pdf, 40 Seiten) könnt ihr hier nachlesen, die wichtigsten Neuerungen sind folgende:

Für die Single-Charts muss man Titel nicht mehr extra anmelden. Auch Albumtracks zählen so automatisch für die Wertung. Allerdings kann man Titel abmelden, beispielsweise wenn man für den Chart-Einstieg der zweiten oder dritten Single die geballte Promo-Power abwarten möchte etc.

Außerdem zählen Singles auch dann für die Charts, wenn es sie nur digital gibt. Gleiches gilt für Alben.

Beides ist ein Schritt in die richtige Richtung, gerade bei Singles ist der Marktanteil von CDs inzwischen verschwindend gering.

Allerdings bleibt ein Makel bestehen: Die Verkaufscharts bilden – anders als die Listen auf amazon, iTunes, musicload und Co. – den Markt mit ein- bis zweiwöchiger Verzögerung ab. Effekte durch Auftritte in Castingshows oder Event-Fernsehen („Schlag den Raab“, „Wetten, dass…“ etc.) bleibt ebenso ungenutzt wie der Einsatz von Songs bei Sportübertragungen, in Werbeclips und Trailern, Fussballstadien etc.

Ein Verband, der – zurecht – stolz darauf ist, dass media control seit Mitte Mai Hitlisten über Musikstreaming anbietet, muss diesen Punkt anpacken. Ansonsten ist es unmöglich, mit den Charts überhaupt wieder in die Nähe der Relevanz zu kommen, die sie im analogen und CD-Zeitalter mal hatten.

It’s a long way to go.

Über Philipp

siehe Impressum.

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