Tradition?

Was ist eigentlich schlimmer? Red Bull oder ein VW Golf? Oder gar eine Aspirin? Und was ist dann mit einer Fleischfabrik oder Hörgeräten? Erst kürzlich stieß ich bei Sportradio360 in einem Gespräch über die Fußball-Bundesliga (der Männer) wieder auf die Frage, wer denn „in die erste Liga gehört“.

Ich kann mit dieser Frage nichts anfangen. Denn meist kommt in der Antwort irgendwas von „Traditionsverein“ vor. Und das halte ich zu großen Teilen für eine leere Phrase. Natürlich weil vieles, auf das man sich dann bezieht, weit vor meiner Zeit war. Nehmen wir die Gründungsmitglieder der Bundesliga. Bei Preußen Münster höre ich immer wieder das T-Wort. Kurzer Faktencheck: Die sind in ihrer ersten Bundesliga-Saison abgestiegen und bis heute nicht mehr in der ersten Liga gewesen. Inwiefern qualifiziert dieses Abschneiden des „Traditionvereins“ für Höheres? Und vor allem: Was für eine Tradition ist das?

Ja, jeder soll sein Fan-Dasein ausleben wie er möchte. Experten disqualifizieren sich aber in meinen Ohren mit Aussagen darüber, welche Vereine in eine Liga „gehören“. Denn das (dann folgende) Gerede von der Tradition ist eine bequeme Phrase, die der Durchschnittsfan eben gerne hört. Aber was heißt denn der Umkehrschluss? Warum „gehören“ bestimmte Vereine nicht in die Bundesliga bzw. den Profi-Fußball?

Auch ich bin kein Fan davon, dass Vereine von einzelnen Hauptsponsoren und Gönnern abhängen. Aber eher, weil ich die abschreckenden Beispiele von der Insel vor meinen inneren Augen habe, als sportliche Angst vor Dietmar Hopp & Co. Gut, als Bayern-Fan kratzen einen „Emporkömmlinge“, die dann in Auf- und Abstiegskämpfen mitmischen, naturgemäß eher wenig. Mannschaften wie Freiburg oder Mainz erfreuen mich seit Jahren in der ersten Liga. Und nur wegen herausragender komödiantischen Fähigkeiten der Führungsetage qualifizieren sich St. Pauli, Düsseldorf oder Köln (um nur mal drei herauszugreifen) genauso wenig für die erste Liga, wie der Hamburger SV wegen Klaus-Michael Kühne abzusteigen hat.

Sicher, so wie man ein Team gerne hat, kann man auch welche weniger mögen. Wegen ehemaligen Ergebnissen, Spielern, Trainern oder Funktionären, meinetwegen auch aus Gründen des Lokalkolorits oder sonstiger Bundesliga-Folklore. Aber warum sollte man einem Team absprechen, einer bestimmten Liga zugehören zu dürfen, wenn es sich sportlich – und in gewisser Weise eben auf finanziell – doch qualifiziert hat? Welche Arroganz spricht eigentlich aus denen, die aufgrund vergangener Erfolge (wenn überhaupt, siehe Preußen Münster) Vereine unterteilen in die mit Tradition und solche – selbstverständlich irgendwie verwerflicheren und unwichtigeren – ohne?

Über Philipp

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