Die Bürde der Mitgliedschaft

Über die Auseinandersetzung Jens Weinreich vs. Theo Zwanziger hat auch der Kölner Stadtanzeiger berichtet (via Jens Weinreich). Die Fragestellung: Wie reagieren die Berufsverbände auf die Auseinandersetzung. Ergebnis:

  • Der europäische Journalistenverband hat sich eindeutig zu dem Fall geäußert und das sogar als Teil des Weltverbandes.
  • Der deutsche Sportjournalistenverband möchte nichts sagen. Vielleicht auch, weil Harald Stenger und Wolfgang Niersbach, die maßgeblich an der berufsschädigenden, diffamierenden und zwei Gerichtsurteilen widersprechenden Pressemitteilung des DFB beteiligt waren, ebenfalls Mitglieder des Verbandes sind
  • Der Deutsche Journalisten-Verband spricht von einer „Privatfehde“

Und als ich letzteres gelesen habe, war ich wieder einmal dankbar, auf Presserabatte etc. durch den Presse-Ausweis des DJV zu verzichten. Denn ich fürchte, dort hat man nicht begriffen, worum es in dem Streit eigentlich geht.

Die Frage, ob Zwanziger zu Unrecht als Demagoge bezeichnet und damit in die Nähe der Nationalsozialisten (insbesondere von Joseph Goebbels) gerückt wurde, haben zwei Gerichtsurteile eindeutig mit „nein“ beantwortet. Das hätte man auch noch als Privatfehde durchgehen lassen können.

Jetzt aber versucht einer der größten Sportverbänden der Welt einem kritischen Sportjournalisten die Existenzgrundlage zu entziehen, indem man eine Pressemitteilung an Entscheider schickt, die gezielt Tatsachen verschweigt oder verdreht. Es geht um die berufliche und evtl. existenzielle Zukunft eines Mannes, der – das haben Gerichte entschieden – keinerlei Unrecht begangen hat.

Und der DJV hält das für eine Privatfehde? Derselbe Verband, der auf seiner Homepage von sich behauptet, er vertrete

die berufs- und medienpolitischen Ziele und Forderungen der hauptberuflichen Journalistinnen und Journalisten aller Medien

hat nicht begriffen, dass es hier längst um eine medienpolitische Debatte geht und nicht um Eitelkeiten einzelner. Der DFB hat das Recht auf Meinungsäußerung erst nach gerichtlichen Beschlüssen anerkannt, jetzt geht es um die Berufsausübung eines Journalisten.

Wer sich zur Pressepolitik des FC Bayern München äußert (durchaus berechtigterweise), sollte auch das große Ganze sehen.

Ich verzichte auf jeden Fall weiterhin auf eine Mitgliedschaft und bin gespannt, ob die „innere Demokratie“ des DJV ihn nicht irgendwann zwingen wird, Tatsachen anzuerkennen.

Ehrlich gesagt: Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Streit derartige Kreise zieht. Unfassbar.

 

(als ich fertig war, gesehen: Stefan Niggemeier denkt ähnlich)

Über Philipp

siehe Impressum.

2 Kommentare zu “Die Bürde der Mitgliedschaft

  1. sehr guter und treffender Kommentar. Es wird sehr interessant sein, die weitere Entwicklung zu verfolgen. Wer weiß, vielleicht bildet diese Geschichte sogar mal Grundlage für eine soziologische Arbeit über die neue Bedeutung der Blogs? 😉

    Nein, im Ernst: Die Sache ist noch lange nicht durch. Selbst wenn sich die Kommentare langsam legen werden, für die Zukunft muss man die Angelegenheit im Hinterkopf behalten. Dem DFB wird genau auf die Finger geschaut werden. Und das zurecht.

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