Noch vor ein paar Monaten hätten die meisten Musikfans hinter dem Namen Kevin Rudolf ein armes ostdeutsches Würstchen vermutet, dessen Eltern kein Händchen bei der Namensgebung hatten. Inzwischen wissen wir: Der Mann kommt aus New York und ist Gitarrist mit einem Faible für HipHop.
Seine Single „Let It Rock (feat. Lil Wayne)” ist auf Platz 10 der deutschen Single-Charts eingestiegen und im Nachhinein haben wir erfahren wer bei Timbalands „Scream” die Gitarre eingespielt hat (und bei Stücken von Nelly Furtado, den Black Eyed Peas und anderen). Heute erscheint mit „In The City” das erste Album von Kevin Rudolf.
Und bescheiden ist der gute Mann nach seinem Chart-Erfolg nicht geblieben: „Everyday I Am A Star in The City” mit diesem Satz beginnt sein erstes Album „In The City”. Jeden Tag ist er der Star in der Stadt, soso. Und um möglichst für jeden ein Star zu sein, hat Kevin Rudolf seine Songs absolut auf Massentauglichkeit getrimmt.
Und das auch indem er ziemlich dreist Sounds von anderen Künstlern klaut. Mal klingt seine Klampfe wie bei Simple Plan, dann auch einmal fast nach Bon Jovis „It’s My Life“. Darunter liegen eher Pop- als HipHop-Beats, ganz im Stil von Timbaland und der „I Song” kopiert ziemlich dreist den geilen Groove und die komplette Gitarrenarbeit von Incubus’ „Drive“.
Auch textlich ist Kevin Rudolf maximal unteres Mittelmaß. Zeilen wie „It’s To Late To Say I’m Sorry” haben wir zig-tausend mal gehört. GÄHN. Dazu noch das übliche Geschichtlein von der jungen Frau, die vom Land in die große Stadt kommt und darin untergeht, letztlich alkohol- und drogensüchtig in der Gosse landet. Das haben Guns N’Roses in „Welcome To The Jungle” besser gemacht und das Thema ist inzwischen auch schon durch. Zumindest wenn man nichts Neues – und sei es ein Details – ergänzen kann oder möchte.
Halten wir also fest: hier will ein mittelmäßiger Songwriter und eher schlechter Texter ein Hit-Album abliefern und geht auf Nummer sicher. Das könnte durchaus klappen, so mancher Song trifft den Nerv der Zeit zwischen PopRock und HipHop. „I Song” ist so ein Beispiel, „Livin’ It Up” oder das ziemlich geile – allerdings der ersten Single verdächtig ähnliche klingende – „N.Y.C. (feat. Nas).
Ich gehe daher fest davon aus, dass uns Kevin Rudolf in diesem Jahr noch einige Male begegnen wird. Sein Album am Stück hat aber nichts besonderes zu bieten und mir persönlich fehlen auch ein wenig die Seele und die Einzigartigkeit. Da will einer mit aller Macht Hits schreiben. Vielleicht hat’s geklappt. Aber spannend ist was anderes.