50+1: Warum abschaffen?

Wenn etwas sehr sehr selten vorkommt, dann ist es eine Diskussion, die ich wegen des DSF-Doppelpasses führe. Denn eigentlich ist meine Meinung von dieser doof-dämlichen “hinterher-wissens-alle-besser-Show” inzwischen zu gefestigt. Und trotzdem, manchmal kann ich nicht widerstehen und schau mir das an.1 Diesen Sonntag war Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt) zu Gast und wetterte gegen die Pläne, die 50+1-Regelung in der Fußball-Bundesliga abzuschaffen.

Sein Hauptargument: Traditionsvereine wären damit mittelfristig zum Untergang verdammt. Das ist so pauschal ziemlicher Unfug (s.u.). Trotzdem habe aber auch ich ein diffuses Bauchgefühl, dass es gefährlich und falsch wäre, externen Investoren die rechtliche Mehrheit an Sportvereinen zu überlassen.

Denn seit Jahren macht unsere Wirtschaft und Gesellschaft die Erfahrung, dass externe Investoren Unternehmen aufkaufen oder übernehmen, dann Gewinne mitnehmen (und sei es durch den Verkauf gut gehender Sparten) und sich irgendwann wieder aus dem Unternehmen verabschieden. Nicht immer indem sie Verluste hinterlassen oder Personal feuern, aber an langfristigem Erfolg sind solche Investoren augenscheinlich nur in Ausnahmefällen interessiert.

Warum also sollte das bei Sportvereinen anders laufen?

In einem aufschlussreichen Artikel haben die 11Freunde mal dargelegt, dass der “Baulöwe” Florentino Perez (Präsident von Real Madrid) als (Privat-)Unternehmer durchaus Gewinn aus seiner Präsidentschaft im Verein legt. Und Silvio Berlusconi ist sein Aufstieg als Unternehmer und Politiker auch deshalb gelungen, weil er als Präsident das AC Mailand auf einer eher unterhaltenden Ebene an seinem Image arbeiten konnte. Ob sportlich beide für langfristigen Erfolg stehen? Momentan ist das schwer zu glauben.

Dazu kommt, dass Sportvereine – auch wenn Profi-Vereine veritable Wirtschaftsunternehmen sind – mehr Aufgaben haben, als die Gewinn- und Renditeerwartungen ihrer Eigentümer (bzw. Mitglieder). Sie haben eine gesellschaftliche Funktion. Sie erziehen Kinder und Jugendliche zu regelmäßiger Bewegung und Teamfähigkeit und sie bieten den Zuschauern (im Stadion und im Fernsehen) Abwechslung vom Alltagsstress.2

Und schließlich der für mich wichtigste Punkt: Man braucht die 50+1-Regel nicht abschaffen, um neues Kapital in die Vereinskassen zu bringen. Die Bayern haben Millionen generiert, indem sie 10% der FC Bayern München AG an Adidas verkauft haben, Hoffenheim lebt seit Jahren von den Millionen von Dietmar Hopp, der dem Verein mal kurz ein Stadion in die Pampa gesetzt und talentierte Spieler sowie einen professionellen Trainerstab verschafft hat.3

Man sieht: Auch mit 50+1-Regel können die Vereine ausreichende Einnahmen generieren.4 Warum sollte man die 50+1-Regel also abschaffen und die unkalkulierbaren Risiken eingehen?

  1. In der Hoffnung, dass Lattek und Wontorra möglichst wenig zu Wort kommen. Egal wer zu Gast ist, schlimmer ist praktisch keiner
  2. Wenn das anders wäre, dann könnten die Vereine übrigens auch gleich morgen mal die ganzen Polizei- und Sanitätereinsätze selbst bezahlen, die so ein Bundesligaspieltag mit sich bringt.
  3. Von Leverkusen und Wolfsburg, die sogar Ausnahmegenehmigungen für die Beteiligung von Bayern und VW von der DFL erhalten haben, ganz zu schweigen.
  4. Und natürlich auch – siehe Frankfurt, Schalke, Nürnberg etc. – trotz 50+1-Regel durch dubiose oder einfach dumme Geschäfte ordentlich Geld verbrennen.

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