Und man kann doch Geld verdienen in der Musikindustrie. Während der Bundesverband der deutschen Musikindustrie Gewinneinbrüche und sinkende Verkaufszahlen meldet, beweist ausgerechnet die ProSiebenSat.1-Gruppe, wie es anders geht. Vor ziemlich genau fünf Jahren wurde Starwatch Music gegründet und verzeichnet seitdem starke Gewinne und wachsende Marktanteile. Das Geheimnis: Durch die vereinte Medienpower bei ProSieben und Sat.1 kann Starwatch Künstler gezielt in einem zuschauerstarken TV-Umfeld aufbauen und verdient dann an den Verkäufen durch diese Promo mit.
Dass man beim sendereigenen Castingformat “Popstars” so vorgeht, kann nicht überraschen. Und auch ansonsten liest sich das Künstlerportfolio von Starwatch wie ein “Who Is Who” der ProSieben-Gesichter: Giovanni (Ex-BroSis und damit ehemaliger “Popstars”-Kandidat), Jennifer Kae (schon wieder in Vergessenheit geraten) und Mina (von der ProSiebenSat.1-Videoplattform myvideo.de gepushed).
Gleichzeitig hat man bei Starwatch Music Warner Music im Boot, samt der Warner-Konzertagentur “Neuland Concerts“. Hier spart Starwatch Kohle und Warner hat zugkräftige Medienpartner, beispielsweise für Udo Lindenberg und Roger Cicero.
Wer in den letzten Wochen im Programm von ProSieben aufmerksam auf die Musik geachtet hat, konnte aber schon merken, dass Warner nicht das einzige Major-Label ist, das mit der ProSiebenSat.1-Gruppe verbandelt ist.
Die Abschiedstour der Scorpions passt so gar nicht in das ansonsten sehr junge Umfeld von ProSieben. Aber die Scorpions sind eben bei “Columbia SevenOne Music” (dem Gemeinschaftslabel mit Sony) und da nimmt man diesen Formatbruch gerne hin. Und auch Yvonne Catterfeld hat ihren Jury-Auftritt bei “Unser Star für Oslo” maßgeblich der neuen Unternehmenstrategie zu verdanken, sie ist ebenfalls bei Columbia SevenOne Music unter Vertrag.
Dass unter den Programmankündigungen für die Blockbuster an Ostern im ProSieben-Programm ein Song von Robbie Williams (EMI) liegt, ist ebenfalls kein Zufall:
Auch die Erfolgsgeschichte von Robbie Williams wird 2010 fortgesetzt. [...] kurz vor Ostern werden beispielsweise die Programm-Ankündigungen für die Megablockbuster auf ProSieben mit der neuen Single “Morning Sun” von Robbie Williams unterlegt.
EMI 7 Music ist hier der richtige Suchbegriff für Google. Über den aktuellen Erfolg von Lena Meyer-Landrut (“Unser Star für Oslo”, eine Gemeinschaftsproduktion von ARD und ProSieben) freut sich wiederum vor allem “We Love Music”, das Gemeinschaftslabel mit Universal Music.
Dort stehen unter anderem auch Marit Larsen, a-ha und Adoro unter Vertrag. Was aktuelle Einspieler zum Marit Larsen-Album ebenso erklärt wie den a-ha-Auftritt bei “Germany’s Next Topmodel” in der letzten Finalshow. Auch hier war schon das Phänomen zu beobachten, dass eine extrem jugendliche Sendung einen Musikact einlädt, der jetzt nicht zwingend zu den prominentesten Aushängeschildern des Musikgeschmacks 14-24-Jähriger gehört.
Dazu kommt dann die “Muttergesellschaft” der Musiklabels im ProSiebenSat.1-Verbund: die MM MerchandisingMedia GmbH. Und wie schreibt die so schön:
Nutzen Sie “Germany’s next Topmodel” als Premium-Umfeld für eine außergewöhnliche Markeninszenierung!
Die MM Merchandising Media GmbH hat übrigens auch schon den Markt für Print-Produkte im Blick. Das “ran”-Magazin zu Champions League und Europa League ist ebenfalls ihr Produkt.
Und auch das Geschäft der Live-Konzerte hat ProSiebenSat.1 für sich entdeckt:
Die größte Pro7-Entdeckung heißt allerdings Live-Entertainment. Das Halbfinale und das Finale der letzten “Popstars”-Staffel fand erstmals in der Arena Oberhausen statt. Mit Unterstütung der Agentur MMP, die auch die Stefan Raab-Events vermarktet.
Und auch das Management musikferner Mediengrößen hat ProSiebenSat.1 schon begonnen: Schauspielerin Sonja Kirchberger, Sebastian Koch und Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein vermarktet eine Talent Management Agency.
Momentan hat ProSiebenSat.1 für jede dieser Sparten einzelne Partner, praktisch externe Experten zur Umsetzung. Aber wie lange werden diese noch nötig sein? Und wie abhängig sind diese von der Werbeleistung, die der Senderverbund gegen Gewinnbeteiligung erbringt?
Hans Fink, verantwortlicher Geschäftsführer für alle Musikaktivitäten bei der ProSiebenSat.1-Gruppe in der taz:
Die Sparte Musik- und Live-Entertainment trägt nur einen kleinen Teil zum Gesamtumsatz der ProSiebenSat.1 Group bei. Fernsehen wird unser Kerngeschäft bleiben.
“Noch” möchte man im letzten Satz hinzufügen.
Wichtiger als die Inhalte von “Galileo”, “Germany’s Next Topmodel”, “Popstars” & Co. könnte bald die Musik im Hintergrund sein.